Wenn dein Kleiderschrank voll ist und du trotzdem oft nicht weißt, was du anziehen sollst, hilft es, weniger Kleidung zu besitzen, die sich gut miteinander kombinieren lässt. Eine Capsule Wardrobe ist eine kleine Auswahl an Kleidungsstücken, die zu deinem Alltag passen und sich miteinander kombinieren lassen. Die Zahl 37 dient als Richtwert, nicht als feste Vorgabe.
Zur Zahl zählen Kleidung und Schuhe für eine Saison. Unterwäsche und Socken zählen nicht dazu. Auch Sport- und Schlafkleidung, Badebekleidung, Taschen sowie Schmuck bleiben außen vor. Die 37 Teile sollen deinen Alltag abdecken. Sie legen nicht fest, was du einkaufen musst. Ob die Zahl passt, hängt von deinem Beruf, dem Wetter und deinen Vorlieben ab.
Was die 37 Teile umfassen
Die Zahl geht auf die US-Bloggerin Caroline Rector zurück. Sie beschrieb 2014 eine Garderobe aus 37 Teilen, die sie jeweils für eine Saison von ungefähr drei Monaten zusammenstellte. Andere Ratgeber nennen als grobe Orientierung 30 bis 40 Teile. Eine einheitliche Zählweise gibt es nicht.
Nutze die Zahl als Ausgangspunkt für einen Versuch. Wenn du regelmäßig formelle Kleidung brauchst, ist eine größere Auswahl sinnvoll. Dasselbe gilt, wenn du häufig wäschst oder viele unterschiedliche Anlässe abdeckst. Du kannst auch eine kleinere Arbeitsgarderobe getrennt betrachten. Lege vorher fest, was du mitzählen willst. Wenn Schuhe und Jacken dazugehören, zähle sie auch später mit.
Erfasse deinen Alltag
Sieh dir vor dem Aussortieren eine typische Woche an. Notiere, wann du ins Büro gehst, von zu Hause arbeitest, draußen unterwegs bist oder besondere Termine hast. Berücksichtige auch den Arbeitsweg: Fürs Radfahren brauchst du womöglich andere Kleidung und Schuhe als für kurze Wege mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln.
Prüfe außerdem, welche Regeln an deinem Arbeitsplatz gelten. Wenn du an mehreren Tagen gepflegte Kleidung brauchst, reichen wenige Freizeitkombinationen nicht aus. Wer selten wäscht, braucht genügend tragbare Oberteile und Unterwäsche. In der hier verwendeten Zählung gehört Unterwäsche nicht zu den 37.
Sortiere nach Nutzung
Nimm zuerst alle Kleidungsstücke aus dem Schrank, die du in der aktuellen Saison tragen könntest, und teile sie in vier Gruppen ein: gern getragen und passend, unklar, nicht mehr gewollt und außerhalb der Saison. Bei einem Teil aus der unklaren Gruppe musst du dich nicht sofort entscheiden. Lagere es separat und prüfe später, ob du es vermisst oder tatsächlich trägst.
Überlege bei jedem Kleidungsstück, ob es bequem sitzt, zu deinem Alltag passt und sich leicht pflegen lässt. Ein schöner Pullover, der kratzt oder nur zu einem einzigen Anlass passt, löst im Alltag wenig. Ein Teil, das du häufig trägst und mit mehreren anderen kombinierst, ist meist nützlicher.
Schreibe erst nach dem Durchsehen auf, was in deiner Garderobe fehlt. Benenne konkrete Situationen, die deine vorhandene Garderobe nicht abdeckt: etwa Regen auf dem Arbeitsweg, ein gepflegtes Bürooutfit oder eine warme Schicht für kalte Tage. Vielleicht kannst du die Lücke schließen, ohne etwas zu kaufen. Prüfe zuerst, ob eine Änderung, Reparatur, ein Tausch oder ein gut erhaltenes gebrauchtes Teil die passende Lösung ist.
Verteile die 37 Teile
Die folgende Beispielaufteilung zählt Kleidung und Schuhe für eine Saison. Sie ist ein grober Richtwert, kein festgelegtes Ideal. Die Teile kannst du an deinen Stil anpassen.
| Bereich | Anzahl | Mögliche Teile |
|---|---|---|
| Oberteile | 15 | T-Shirts, Tops, Hemden oder Blusen, Feinstrick und Pullover |
| Unterteile | 8 | Jeans, Alltagshosen, gepflegte Hose, Rock oder Shorts |
| Kleider und Einteiler | 3 | Alltags-, Berufs- oder Sommerkleider, sofern du sie regelmäßig trägst |
| Jacken und weitere Schichten | 5 | Blazer, Cardigan, Übergangsjacke, Regenjacke und saisonaler Mantel |
| Schuhe | 6 | Sneaker, Büroschuhe, wetterfeste Schuhe, Stiefel und Sommerschuhe |
| Gesamt | 37 |
Wenn du selten Kleider trägst, kannst du stattdessen mehr Hosen, Hemden oder Strick einplanen. Wenn du beruflich mehrere formelle Outfits benötigst, nimm sie in die Zahl auf oder plane eine zusätzliche Arbeitsauswahl. Die Verteilung zeigt, wie du deinen Bedarf auf die Bereiche aufteilen kannst. Sie schreibt dir nicht vor, wie viele Oberteile oder Schuhe du besitzen darfst.
Kombiniere die Teile zu Outfits
Wähle zuerst eine kleine Gruppe von Grundfarben, die du gern trägst und die zu deiner vorhandenen Kleidung passen. Drei bis fünf Grundfarben können das Kombinieren erleichtern. Ergänze sie bei Bedarf durch einzelne Muster oder auffällige Farben, damit die Auswahl deinen Stil behält. Wähle die meisten Teile so aus, dass du sie mit mehreren anderen Kleidungsstücken kombinieren kannst. Sie muss nicht auf jedes einzelne Teil zutreffen.
Plane anschließend wiederkehrende Kombinationen. Für den Alltag kann eine Jeans mit T-Shirt, Cardigan und bequemen Schuhen funktionieren. Für einen Bürotag kombinierst du eine gepflegte Hose oder einen Rock mit Hemd, Bluse oder feinem Strick und einem Blazer. Wenn das Wetter wechselt, kommt eine zusätzliche Schicht unter die Jacke. Für den Abend lässt sich ein bekanntes Outfit durch ein anderes Oberteil oder andere Schuhe verändern.
Überlege vor dem Kauf, bei welchen Gelegenheiten du das neue Teil tragen würdest. Kannst du es dir in einer konkreten Woche vorstellen? Passt es zu mehreren vorhandenen Teilen? Sitzt es bequem und kannst du es wie vorgesehen pflegen? Wenn du keine passende Kombination findest, ist das Teil wahrscheinlich keine hilfreiche Ergänzung.
Passe die Auswahl ans Wetter an
Für wechselhaftes Wetter sind mehrere Schichten nützlich. Ein leichtes Oberteil lässt sich mit Cardigan oder Pullover kombinieren; an kalten Tagen wärmt ein Langarmshirt unter dem Strick. Für Regen brauchst du eine Jacke und Schuhe, die zu deinem Arbeitsweg und deinen Aktivitäten passen. Im Sommer gehören bei regelmäßigem Gebrauch leichte Kleidung und passende Schuhe in die Auswahl, im Winter warme Schichten und wetterfeste Schuhe.
Du brauchst dafür nicht viermal im Jahr den ganzen Schrank neu zu sortieren. Du kannst eine vielseitige Grundauswahl behalten und saisonale Teile ergänzen oder austauschen. Richte dich nach dem Wetter und danach, was du tatsächlich trägst, nicht nur nach dem Kalender. Bewahre Teile außerhalb der Saison sauber und trocken auf, damit du sie beim nächsten Wechsel wieder nutzen kannst.
Passe die Zahl an deinen Bedarf an
Eine Garderobe für einen überwiegend lockeren Büroalltag sieht anders aus als eine für einen Beruf mit formeller Kleidung oder besonderen Schutzanforderungen. Auch häufige Geschäftsreisen, körperliche Arbeit oder ein regelmäßiger Sportalltag verändern den Bedarf. Sportkleidung ist hier zwar nicht eingerechnet, muss aber trotzdem in deinem Schrank Platz finden.
Wenn 37 Teile nicht reichen, nimm mehr Teile in deine Auswahl auf. Bleiben einige Stücke monatelang ungetragen, verkleinere die Auswahl erst, nachdem du sie eine Saison lang ausprobiert hast. Eine kleine Untersuchung zu Erfahrungen mit einer Capsule Wardrobe befragte zehn junge Teilnehmerinnen über drei Wochen. Einige berichteten von mehr Kreativität und weniger Stress; andere empfanden die Begrenzung als Herausforderung. Die Ergebnisse zeigen persönliche Erfahrungen. Sie belegen nicht, dass eine Capsule Wardrobe allgemein so wirkt.
Auch für die Umwelt gibt es keine einfache Gleichung zwischen kleiner Garderobe und geringerem Verbrauch. Eine Untersuchung von Garderoben aus fünf Ländern, darunter Deutschland, fand unterschiedliche Wege, Kleidung lange zu nutzen: Menschen mit großen Garderoben trugen ihre Kleidung länger, während Menschen mit kleineren Garderoben einzelne Stücke vor dem Aussortieren häufiger nutzten. Mit einer kleineren Auswahl fällt es dir möglicherweise leichter, bewusste Entscheidungen zu treffen. Für die Umwelt zählt auch, wie lange du die Kleidung trägst, wie du sie pflegst und wann du sie ersetzt.




